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Melodyne Klone

Gesang ist für mich der essentielle Teil eines Liedes. Auf kein Instrument oder Soundeffekt reagiert das menschliche Gehör sensibler. Nirgendwo anders fällt jeder kleinste Patzer oder Versprecher so schnell auf. Zudem steht der Gesang bei so gut wie jedem Lied im Vordergrund und ist deshalb am lautesten gemischt. Doch leider ist in den meisten aktuellen Produktionen ist die Stimme fast schon unmenschlich perfekt und glatt gebügelt. Es werden aus etlichen Takes die jeweils besten Stücke herausgeschnitten, zusammengeschustert und bei Bedarf  gedoppelt bis der Arzt kommt. Natürlich wird noch mit Melodyne und Ähnlichem jedes noch so kleine Tönchen zurechtgerückt, bis dann eine ganze Batterie von hübschen Effekten das Ganze auf Hochglanz trimmt. Versteht mich nicht falsch. Ich habe großen Respekt vor den Kollegen die diese Arbeit machen und ich tue mein bestes selbst mein Wissen auf diesem Gebiet zu mehren. Aber wird hier nicht manchmal etwas übertrieben? Wird hier nicht, auf Kosten der Natürlichkeit, der Perfektion viel zu viel Platz eingeräumt. Ich möchte mich zwar nicht durch schief gesungene und gänzlich unbearbeitete Produktionen quälen. Jemand der nicht geradeaus Singen kann hat vor einem Mikro nichts verloren. Aber ich möchte schon noch hören dass hier ein menschliches Wesen trällert. Wenn ich mir anhöre was der Popsternchen-Himmel hergibt stoße ich fast nur auf perfekte Stimm-Klone. Eine Ellie Goulding, eine Selena Gomez oder eine Britney Spears hören sich an wie 13-Jährige die mit Helium, Ecstasy und einem Sprachverzerrer experimentiert haben. Ich hatte das Glück, einmal eine Produktion einer, in einem renommierten Studio produzierten, deutschen C-Prominenten in Protools  zerpflücken zu dürfen. Den Namen will ich nicht nennen (Hüstel…Jana…hüstel…Ina…Hüstelhüstel). Das Ergebnis der Analyse war erschreckend. Von dem ursprünglich grausigen Gesang waren auf der fertig produzierten CD zwar nur noch Fragmente erhalten, aber das bis zur Unkenntlichkeit hingebogene und von einigen Backgroundsängerinnen übersungene Gequietsche klingt alles andere als angenehm. Nach elektronischem Klon eben. Meine Befürchtung an dieser Stelle: Unser aller Gehör gewöhnt sich immer mehr an die perfekten Klonstimmen, so dass sich halbwegs „natürlich“ gesungene Liedchen wie Amateuraufnahmen  anhören. Was ich schade fände. Dem einen oder anderen Song würde es ganz gut tun wenn das Melodyne-Bügeleisen mal im Schrank bleibt.

24.1.14 10:52


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