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Das unvollkommene Einhorn

Ein Einhorn wurde geboren. Na ja, gebaut. Nach Fertigstellung meines kleinen „Unicorn Studios“ in Eigenregie, teilen sich drei Empfindungen mein Gehirn.  Erstens: Erleichterung. Nach 1,5 Jahren sägen, spachteln und schrauben ist mein Verlangen nach handwerklicher Betätigung gedeckt. Aber mal so richtig. Zweitens: Stolz. Anerkennende Worte meiner Mitmenschen gehen natürlich runter wie Öl. Drittens, und hier fängt das Dilemma an: ein kleines bisschen Unzufriedenheit. Die vielen neuen Erfahrungen, die ich beim Bau gewinnen konnte, zeigen mir leider all die Konzeptfehler, Mängel und Pfuschereien auf, die ich bis dahin fabriziert habe. Was habe ich in Internetforen recherchiert, mich durch Raumakustik-Facharbeiten durchgebissen und Bücher gelesen, die sich kein Mensch freiwillig antun würde. Wenn Stolz und Erleichterung mein Lieblingspulli wäre, so ist die Erkenntnis dieser kleine, nervige, juckende Waschzettel hinten am Kragen. Da zupft man rum und kratzt sich und manchmal vergisst man ihn auch, aber irgendwann sticht und juckt es eh wieder. Mit einer Schere macht man mit dem Zettelchen meist kurzen Prozess, aber zu dünne Raum-in-Raum-Konstruktionen lassen sich leider nicht einfach ausbessern. Gegen eine schief gebaute Zwischenwand hilft nämlich nur ein großer Hammer samt Meißel und rohe Gewalt. Dringend benötigte Leitungen und Kabel lassen sich nicht mehr nachträglich einziehen. Und ein leistungsstärkeres Lüftungssystem kann ich leider auch nur mit bereits erwähntem schwerem Hammer realisieren. Was also tun? Das juckende Zettelchen ignorieren? Funktioniert nicht wirklich. Alles neu machen? Nochmal so viel Zeit und Nerven investieren? Eher friert die Hölle zu. Denn zu allererst soll sich der ganze Aufwand mal lohnen, sprich die ersten platinprämierten Alben wollen produziert werden. Da sich die Produktionen allerdings bisher noch im Rahmen halten, kommt natürlich auch zu wenig des benötigten Kleingeldes ins Haus. Denn auch wenn selber bauen erheblich billiger ist als bauen lassen, hat OBI & Co. mein Konto razeputz leergefegt. So gesehen, ist es eigentlich ziemlich einfach: Kein Geld, kein Umbau. Eigentlich. Trotzdem ist der Waschzettel immer noch da, auch wenn ich mir keinen neuen Pulli leisten kann. Aber...Ich könnte doch…Oder hier ein bisschen…Nur noch ein paar Gipsplatten… Hach, was hab ich Luxusprobleme. Kaum ist mein feuchter Traum vom eigenen kleinen Studio Realität geworden, schon will ich mehr. Dabei sollte ich doch erst mal mit dem zurechtkommen was ich habe. Meine Fähigkeiten meinen Räumlichkeiten anpassen. Also: Wissen ausbauen, Räumlichkeiten nutzen, Erfahrung sammeln, Geld verdienen und dann… Dann schneid ich das scheiß Zettelchen ab.

24.1.14 10:43


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Perfektionisten-Robert

Als Gitarrist stehe ich immer wieder vor demselben Dilemma. Sobald die Röhren meines Engl-Verstärkers glühen und Mikrofone aufgebaut werden, fange ich an zwischen Regie und Aufnahmeraum zu pendeln. Der Perfektionist in mir bricht durch. Das Leid der Amp-Mikrofonierung. Ich dreh jedes Mal durch. Das Ziel ist die fette Rock-Gitarren-Wand die einem den Kalk aus der Rübe bläst. Als erstes: Welches Mikro? Habe ein paar Kandidaten an der dynamischen Front. Sure SM57: der Klassiker, mittenbetont, flexibel aber unspektakulär. Sennheiser MD421: noch ein Klassiker, ziemlich färbend, hochmittenlastig, mangelhafte Basswiedergabe, Sennheiser MD441: das edle Teil, ausgeglichen mit leichtem Höhenglanz, klingt eher wie ein Kondensermikrofon. AKG P2: Ein Basedrum-Mikrofon, für tiefgestimmte Metal-Riffs, Höhen nicht wirklich gut. Dann meine Kondensatormikrofone. Neumann U87: Referenz-Mikrofon, sehr ausgeglichener Frequenzgang, sehr gutes Ansprechverhalten, einfach gut. Rode NT1A: das Möchtegern-Neumann, auch sehr ausgeglichen, bisschen spitze Höhen, besser als der Preis vermuten lässt (unter 200&euro. Da ich später bei Mischen gerne rumexperimentiere, stelle ich meist so viele Mikros wie möglich vor den Amp. In der Regel aber nicht mehr als drei. Die Wahl fällt dann meist auf zwei dynamische und ein Kondensatormikrofon. Da ich ja eine fette Rhythmusgitarre aufnehmen will und sich hier die Musik eher in den tiefen Mitten bis Mitten abspielt (welch passende Redewendung), fällt meine Wahl als erstes auf das recht ausgeglichene  Sennheiser MD441 als Basismikro. Die eher sehr Hochmitten und Höhen betonenden SM57 und MD421 lassen wir mal außen vor. Als Zweites kommt das U87 zum Einsatz. Das klingt etwas voller und wärmer und ist eine hervorragende Ergänzung zu dem brillanter klingenden Sennheiser. Als Alternative zum U87 gäbe es das Rode, aber warum den Opel nehmen wenn der Bentley bereit steht. Als drittes Mikro im Bunde: das AKG P2. Das zweckendfremdete Basedrummikro mische ich bei Bedarf zu den wirklich tiefen Solopassagen um in den Bässen nochmal eine Schippe draufzulegen. Aber wirklich nur als Art Effekt. Die Positionierung meiner drei Musketiere passe ich dem entsprechenden Amp an, lande aber mit MD441 und U87 meist irgendwo relativ mittig zwischen Kalotte und Sicke und mit dem AKG P2 auf der Kalotte. Mit diesem Aufbau bleibe ich beim mischen recht flexibel und halte mir viele Optionen offen. Wenn ich das alles soweit hinbekommen habe müsste auch der Perfektionisten-Robert in mir ein bisschen weniger rummeckern. Theoretisch.

24.1.14 10:48


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